Mitchs Sündenblock

Computerarchäologie

März 24, 2008 · 3 Kommentare

In den guten alten Zeiten wurden auch noch gute Computer gemacht. Nehmen wir zum Beispiel meinen allerersten Computer, der in den letzten Jahren wertvolle Dienste als Türstopper und Raumverschwender geleistet hat: Es handelt sich um einen IBM-Clone mit einer Intel 8088-CPU, 512kB RAM, einer 20MByte MFM-Platte und einem richtig schnuckeligen 8Zoll-Bildschirm — grün auf schwarz (Bei längerem Gebrauch ist mit Erblindung zu rechnen).

Ein richtiger XT-nachbau halt. Ich habe das Teil letztens wieder verkabelt, an den Strom angesteckt, eingeschaltet, der Festplatte beim Hochfahren zugehört (ein geiles Geräusch, irgendwie), den Memorytest abgewartet (dauert eine Minute; das BIOS vermeldet, dass es im Jahre 1986 geschrieben wurde. So an die 20 Jahre hat das Ding also auf dem Buckel!), eine Schrecksekunde erlebt, als mir der Bildschirm unter lauter Piepbegleitung ein „Error – Press F1 to continue“ entgegenflimmerte („Hääh? Warum denn das? Hmm… da tut sich nichts. Oh, die Tastatur ist nicht angeschlossen…“) und nach Behebung des Problems den Rechner nochmal hochgefahren.

Das Ding ist mehrere Jahre nur herumgestanden und hat trotzdem immer noch wunderbar funktioniert. Aber damit war mein Tagespensum noch nicht erfüllt: Auf dem Plan stand Datenübertragung! Eine kurze Bestandsaufnahme ergab, daß von dem 20MB fast sieben belegt waren. Das Teil hat zwar ein Diskettenlaufwerk, aber erstens nicht 3.5″, sondern 5¼“, und zweitens auch nur die schmalbrüstige Variante mit 360kB pro Diskette. Darüberhinaus würde es mir nichts nutzen, die Daten auf 5¼“-Disketten zu sichern — ich habe nicht so viele Disketten (ich habe überhaupt keine Disketten, wenn ich mir das recht überlege), ich habe kein zweites Laufwerk, und das in diesem Computer verbaute verträgt sich nicht so super mit modernerer Hardware. Aber ich habe etwas anderes: Ein Laplink-kabel.

Und das auf dem Rechner installierte MS-DOS bringt interlnk und intersvr mit, zwei Programme/Treiber mit denen man über ein serielles oder paralleles Nullmodemkabel (Laplink ist im Prinzip ein paralleles Nullmodemkabel) zwei Computer unter MS-DOS verbinden und die einzelnen Laufwerke als Blockdevices freigeben kann. Der zweite MS-DOS-PC war schnell gefunden (Windows 98 ist ja auch nur DOS, halt in bunt und Farbe — und auch wenn die interlnk/intersvr-Treiber nicht im Lieferumfang dabei sind, so kann man sie sich bei Microsoft herunterladen) und dann konnte das Experiment losgehen:

  • Das Olddos-Paket mit interlnk.exe und intersvr von der Microsoft-seite runterladen und auf dem Windows98-rechner entpacken;
  • interlnk.exe auf beiden Rechnern in die CONFIG.sys eintragen,
  • rebooten,
  • auf meinem alten Schätzchen intersvr starten,
  • den Windows 98-PC hochfahren

… und sich an dem zusätzlichen Wechsellaufwerk unter Windows98 erfreuen. Das Kopieren von den Daten hat dann ein paar Stunden gedauert (alter Mann ist schließlich kein D-Zug), aber am Ende hatte ich dann alles. Und wenn mir mal wieder fad ist, dann werden die ganzen lustigen Programme (GWBasic, Multiplan, Word, Tetris) in einer virtuellen Maschine wiederauferstehen.

Kategorien: Mordor

3 Antworten bis hierher ↓

  • caela // März 27, 2008 um 11:38 | Antworten

    virtuelle maschine? DOSbox tuts doch auch…
    und wenn du eh noch ein win98 hast, da ist doch noch ein echtes DOS dabei!
    Und wenn du langfristige Datenspeicherung suchst, schon mal an eine Felswand in einer Höhle gedacht?

  • Mitch // März 27, 2008 um 10:26 | Antworten

    Ach komm… das klingt so furchtbar negativ. Manchmal ist halt einfach
    nur der Weg das Ziel. DOS im qemu ist nicht besonders schwer zu
    realisieren (vor allem, wenn man schon ein DOS in einem qemu hat;
    anders koennte es ein bisschen ausarten), und dass Word 5.0 fuer DOS
    offenbar in einen Grafikmodus schaltet, den qemu nicht kennt, und damit
    unbenutzbar wird, macht die Sache wenigstens interessant.

    Im Gegensatz dazu ist DOSbox fad: Das funktioniert einfach so ohne weiteres. Wo bleibt da die Herausforderung?

    Manchmal ist der Weg das Ziel.

  • Secrets // März 27, 2008 um 10:36 | Antworten

    Tetris!!
    Kann man das auch auf eine Windows-XP Kiste transferieren? Das muss doch irgendwie gehen, oder? :)

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